Klinik - Tag 1

Hier bin ich also nun. In einer Klinik für Essstörungen, Depression, Alkohol- und Drogenmissbrauch. Heute Vormittag ging ich durch einen großen Park. Dabei schaute ich mich immer wieder um, um den Hinweisschildern zu folgen. An diversen Wiesen und Rosensträuchern ging ich den Weg entlang. Ich folgte dem Schild auf dem Klinikeingang stand. Nach einer Weile blieb ich vor einer der 4 großen Villen stehen. "Willkommen in der Reha-Klinik für Essstörungen und Depression", stand in schwarzen Lettern auf dem weißen Schild. Gerade verlässt mich der Mut. >>Soll ich wirklich dort hineingehen?<< Jetzt habe auch ich Bammel. Ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Ich atmete tief durch und bewegte mich geradewegs auf die Tür zu. Langsam öffnete ich die Glastür und ging hinein. Nun befand ich mich in der Eingangshalle. Wo einige Mädchen mit ihren Koffern ratlos herumstanden. Wie ich mitbekam waren sie auf dem Weg zur Anmeldung. Ich folgte ihnen. Wir gingen durch die Eingangshalle und bogen nach rechts zur Anmeldung ab. Das Zimmer erinnerte mich an ein Hotel. Eine Frau stand hinter einer braunen, langen Theke und blätterte durch einige Unterlagen. Auf den beigefarbenen Wänden befanden sich keine Bilder. Die Wände waren kahl. Die Frau, die hinter der Rezeption stand, war Krankenschwester und Betreuerin, wie ich erfuhr. Ihr Name war Summer Grey. Sie gab uns ein Paar Unterlagen, sagte dann wir sollen ihr folgen. Wir gingen ihr hinterher. Zurück in die Eingangshalle, dann nach links und eine Treppe hinauf. Vor einer hellbraunen Türe blieb sie stehen. Sie öffnete sie, stellte unsere Koffer hinein ohne uns in das Zimmer zu lassen. "Erst gibt es eine Einführung. Dann einen Rundgang", sagte sie. Wir gingen erneut die Treppe hinunter und in die Eingangshalle. Die Klinikleiterin hielt eine Rede und hieß uns Neuankömmlinge willkommen. Ihr Worte waren sehr motivierend und inspirierend. Dann ging es durch die Klinik. Vorbei an Therapieräumen, der Cafeteria, dem Kunstraum, einen Raum für Körpertherapie, der Lehrküche. Bis wir dann in unsere Zimmer geschickt wurden. Die beiden Mädchen die ich in der Eingangshalle vorhin getroffen hatte, waren meine Mitbewohnerinnen. Ute Schneider und Hayden Parker. Ich schaute mich in dem Zimmer um. Fliederfarbene Wände. 3 große Betten mit weißer Bettwäsche. Auf der Decke standen kleine beigefarbene und braune Kissen. Jede hatte einen kleinen Schreibtisch. Neben jedem Bett gab es kleine Nachttische. Über jedem Bett hing eine Pinnwand auf der Fotos und andere motivierende Sachen befestigen konnten. Kaum hatte ich mich auf der weißen Decke niedergelassen, klopfte es an unserer Tür. Summer, die Betreuerin, trat hinein. Mit gekonnten Blicken prüfte sie unsere Sachen. Lebensmittel die von draußen mitgebracht wurden, wurden weggeschmissen. Auch durften keine Styling-Produkte oder Pflege-Produkte mit Alkohol verwendet werden. Alles, womit geritzt werden konnte, wurde ebenfalls einkassiert. Als sie fertig war, hing sie die Hausregeln an die Rückseite der Tür. Verließ dann das Zimmer. Ich packte zunächst aus. Ehe es für mich, Ute und Hayden zur Gesangstherapie ging. Marco Fiore, der Gesangstherapeut, ließ uns knapp 1 1/2 Stunden an unseren Stimmbändern arbeiten. Dann hieß es "Auf in die Sportklamotten". Mit der Körpertherapeutin durfte ich einige Runden auf dem Klinikgelände joggen. Anschließend ging es zum Mittagessen in die Cafeteria. Irgendwie komisch mit so vielen anderen zu essen. Besonders weil uns die Betreuerin dabei zusah. Ein komisches Gefühl. Summer achtete darauf, das wir aßen. Dies wird sie auch in den nächsten Wochen noch tun. Essensnachbetreuung stand direkt nach dem Mittagessen an. Dort wurde mir mitgeteilt, das ich ein Ernährungstagebuch schreiben soll. Ab heute. Und das jeden Tag. So lange ich hier bin. Oje. Auch soll ich hineinschreiben wie ich mich beim Essen gefühlt habe. Die Mittagsruhe von 13:15 bis 14 Uhr verbrachte ich im Zimmer. Dort schrieb ich einige Eindrücke nieder. Und packte meine restlichen Sachen aus. Zum Abschluss folgte noch die Kunsttherapie gegen 16 Uhr für eine Stunde. Ich zeichnete ein "Stay Strong Logo", welches mich für die Klinikzeit begleiten soll. Der erste Tag ist geschafft. Die zwei wichtigsten Schritte habe ich hinter mir. Strenge Regeln gibt es hier. Nicht einmal Kaffee darf ich mit ins Zimmer nehmen. Ugh!! Dabei liebe ich Kaffee. Morgen erwartet mich meine erste Therapiestunde. Wenn ich nur daran denke, wird mir schon schlecht. Was mich wohl erwartet? Irgendwie habe ich Bammel und fühle mich unwohl. Alleine bei dem Gedanken Morgen früh wieder gewogen zu werden.... Am liebsten möchte ich mich übergeben. Was nicht geht, da Summer aufpasst. In den ersten 4 Wochen werden wir übrigens täglich gewogen. Mir ist schon wieder schlecht.

8.6.15 23:40

Letzte Einträge: Klink - Tag 9, Abschiedsbrief an die Essstörungen, Therapie - Tag 10

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